Kniegelenk

Allgemeine Behandlungsverfahren

Das Kniegelenk ist häufig von Unfallfolgen oder Verschleißerscheinungen betroffen. Da die maßgeblichen Strukturen des Kniegelenkes wie Knorpel und Meniskus keine Selbstheilungskräfte aufweisen, sind sie oftmals Ursache von Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Weitere Ursachen für ein schmerzhaftes Kniegelenk sind angeborene Fehlstellungen oder Fehlbelastungen, die durch Hilfsmittelversorgung (Bandagen, Einlagen), Krankengymnastik, Spritzen, Akupunktur gebessert werden können. Bei Chronifizierung der Beschwerden sollte nach entsprechender radiologischer Untersuchung (Röntgen, MRT) die Notwendigkeit einer Operation überprüft werden. In speziellen Situationen kann durch ein frühzeitiges operatives Eingreifen die zunehmende Ausdehnung des Knorpel- oder Meniskusschadens verlangsamt oder gestoppt werden. Unfallverletzungen oder unfallbedingte Bandverletzungen (Kreuzbänder, Seitenbänder, Kniescheibenhaltebänder) bedingen zum Teil eine unmittelbare operative Therapie.

 

Knorpelschäden

Eine besondere Expertise hat Prof. Dr. Varoga in der operativen Behandlung von Knorpelschäden durch die Implantation von gezüchteten Knorpelzellen (autologe Chondrozyten Transplantation - ACT). Bedingt durch die hohen Operationszahlen und die guten Ergebnisse wurde die Orthodoc Praxis kürzlich zum europäischen Studienzentrum für minimal invasive Knorpelzellimplantation (Novocard Inject, TETEC) ernannt. Weitere Knorpelschäden betreffende Operationsverfahren sind die Mikrofrakturierung, die Abrasionsarthroplastik, die Membranimplantation (AMIC) und die Knorpelknochentransplantation (OATS).

Die Indikation zu einem spezifischen Knorpelersatzverfahren wird in Abhängigkeit der Schadensgröße, des Patientenalters und dem Funktionsanspruch des Patienten gestellt. Prinzipiell können diese Operationsverfahren an allen großen Körpergelenken durchgeführt werden.

Prof. Varoga hat einen Teil seiner Ausbildung in diesem Spezialgebiet bei Prof. Steinwachs im Rahmen eines EFORT Fellowships in der Klinik für regenerative Knorpelchirurgie an der renommierten Schulthess Klinik, Zürich, absolviert (weitere Informationen unter: Leistungen - Knorpel).

Unabhängig vom gewählten knorpelregenerativen Verfahren muss postoperativ eine Teilbelastung des operierten Beines für mindestens 4 Wochen, meist für 6 Wochen, erfolgen. In Abhängigkeit der Lokalisation der Schadensstelle muss teilweise auch die Gelenkbeweglichkeit mithilfe einer speziellen Orthese reglementiert werden. Die meisten Operationen zur Knorpelregeneration können minimal invasiv, zum Teil auch ambulant, durchgeführt werden. Die krankengymnastische Übungsbehandlung beginnt unmittelbar nach der Operation und sollte ab der 7. Woche postoperativ im Rahmen einer oftmals ambulant durchzuführenden Reha intensiviert werden.

 

Bandverletzungen - Kreuzbandplastik

 

Eine besondere Kompetenz liegt auch in der Behandlung von Bandverletzungen am Kniegelenk. Hier werden standardmäßig Kreuzbandersatzplastiken, komplexe Instabilitäten mit Seitenbandverletzungen und Instabilitäten der Kniescheibe operativ behandelt. Durch Sport-, Arbeits- oder private Unfälle können stabilisierende Bänder im Kniegelenk verletzt werden. In Abhängigkeit der Beschwerden wie Schmerzen oder gefühlte Instabilität müssen bandstabilisierende Operationen durchgeführt werden.

Da die ausgelockerten Strukturen nicht wieder nachgespannt werden können, müssen die verletzten Strukturen durch aus anderen Körperbereichen entnommene Sehnen ersetzt werden (Bandersatzplastik). In den allermeisten Fällen werden die dafür notwendigen Sehnen aus der Kniekehle des verletzten Kniegelenkes entnommen und in den Bereich des ausgelockerten Bandes eingesetzt. Postoperativ ist eine Teilbelastung von 2 bis zu 6 Wochen notwendig, um das Einheilen des Sehnentransplantates in das Gelenk zu gewährleisten. Oftmals ist in der Frühphase der Nachbehandlung auch eine Reglementierung der Gelenkbeweglichkeit mithilfe einer speziellen Orthese erforderlich. Die meisten Operationen zur Bandstabilisierung können minimal invasiv, meist kurzstationär (1-2 Tage stationär), erfolgen. Die krankengymnastische Übungsbehandlung beginnt unmittelbar nach der Operation und sollte ab der 7. Woche postoperativ im Rahmen einer oftmals ambulant durchzuführenden Reha intensiviert werden.

Kreuzbandnaht

Ein weiterer operativer Schwerpunkt besteht seit Jahren in der erhaltenden Chirurgie des Kreuzbandes nach Kreuzbandriss (Kreuzbandnaht). Mit einem speziellen Operationsverfahren wird das zerrissene Kreuzband wieder an den anatomischen Ursprungsort fixiert und mit einem reißfesten Faden geschient (Ligamys Verfahren ligamys.com/de/home/patient/start.htm l ).

Die Patienten müssen allerdings innerhalb von 3 Wochen nach stattgehabter Kreuzbandverletzung operiert werden, so dass hier kurzfristig ein Vorstellungs- und Operationstermin bei Professor Varoga vereinbart werden muss. Die Rehabilitation ist verglichen mit der Kreuzbandersatzplastik schneller, die Rückkehr zum Sport und in den Beruf ebenfalls beschleunigt. Nach Kreuzbandnaht verbleibt im Falle einer ungenügenden Heilung nach wie vor die Möglichkeit der Kreuzbandersatzplastik.

Prof. Varoga ist Referenz Operateur für das Ligamys Verfahren in Schleswig-Holstein und hat landesweit die höchsten Operationszahlen per annum. 

 
 
 
 
 

Korrekturoperation (Umstellungsoperation)

Bei Achsfehlstellungen mit einseitiger Überlastung und Knorpelschädigung des Kniegelenkes (X-oder O-Beinachse) werden regelmäßig Osteotomien (operative Achskorrekturen) durchgeführt. Weitere Notwendigkeiten zur Achskorrektur sind zum Teil bei wiederkehrenden Verrenkungen der Kniescheibe und/oder Schmerzen um die Kniescheibe gegeben. Vor einer geplanten Korrekturoperation erfolgt eine Röntgenaufnahme des gesamten betroffenen Beines im Stand, anhand derer der Ort der knöchernen Fehlstellung evaluiert wird. Am Ort der knöchernen Fehlstellung (bei O-Beinen meist das Schienbein, bei X-Beinen meist der Oberschenkel) wird dann die Korrekturoperation durchgeführt. Hierbei wird der betroffene Knochen einseitig geschwächt (Osteotomie), die Fehlstellung korrigiert und mittels einer winkelstabilen Platte wie ein Knochenbruch stabilisiert. Postoperativ ist durch die Schwächung des Knochens eine 4-6-wöchige Teilbelastung des operierten Beines notwendig. Die meisten Korrekturoperationen können kurzstationär (ca. 3 Tage stationär) durchgeführt werden. Die krankengymnastische Übungsbehandlung beginnt unmittelbar nach der Operation und sollte ab der 7. Woche postoperativ im Rahmen einer oftmals ambulant durchzuführenden Reha intensiviert werden.

Meniskusverletzungen

Mit sehr hoher OP Frequenz werden meniskuserhaltende Operationen (Meniskusrefixation) durchgeführt. Bedingt durch den Erhalt des Restmeniskus nach Refixation im Vergleich zur sonst üblichen Meniskusentfernung kann möglicherweise der Verschleißprozess im Kniegelenk verlangsamt oder reduziert werden. Die Operationen werden minimal invasiv, meist ambulant, durchgeführt.

Bei Teilentfernung des betroffenen Meniskusanteils kann unmittelbar in den Tagen nach der Operation mit einer Aufbelastung des operierten Gelenkes in Abhängigkeit von Schwellung und Schmerzen begonnen werden.

Bei Meniskusrefixationen, bei denen ein Teil des eingerissenen Meniskus repariert wird, kann in Abhängigkeit der Rissform und der -größe auch eine Teilbelastung des betroffenen Beines für einige Wochen notwendig werden. Die krankengymnastische Übungsbehandlung beginnt unmittelbar nach der Operation und wird bis zur Erlangung einer freien Gelenkbeweglichkeit fortgeführt.

Schmerzzustände der Kniescheibe (Patellofemorales Gelenk)

Chronische Schmerzen rund um die Kniescheibe sind oftmals durch ein Knorpelschaden unter der Kniescheibe oder im Bereich der oberschenkelseitigen Gleitrinne bedingt. Weitere Ursachen können eine Instabilität oder ein Fehllgleiten der Kniescheibe in der Gleitrinne sein. Im Rahmen eines Fellowships an der international renommierten Klinik für Orthopädie in Lyon, Frankreich (Prof. Neyret, Prof. Dejour) konnte Prof. Varoga umfangreiche Erfahrung im Bereich der patellafemoralen Chirurgie sammeln. Schwerpunkte sind hier stabilisierende oder entlastende Bandplastiken der Kniescheibe und knöcherne Korrekturoperationen, oft in Kombination mit Knorpelersatzoperationen. Bei Instabilitäten der Kniescheibe wird meist das innerseitige Kniescheibenhalteband gerafft oder durch eine aus der Kniekehle entnommene Sehne verstärkt (MPFL Plastik). Seltener wird das Fehlgleiten der Kniescheibe auch durch eine knöcherne Korrektur am Schienbeinkopf (Tuberositasversatz) oder durch eine entlastende Bandplastik an der Außenseite der Kniescheibe (Retinakulumverlängerungsplastik) verbessert.

Das Operationsverfahren wird in Abhängigkeit von der präoperativen Diagnostik (klinischer Befund, Röntgen, MRT) ausgewählt. Postoperativ ist abhängig vom Operationsverfahren eine Teilbelastung von 2 bis zu 6 Wochen notwendig. Oftmals ist in der Frühphase der Nachbehandlung auch eine Reglementierung der Gelenkbeweglichkeit mithilfe einer speziellen Orthese notwendig. Die meisten Operationen zur Kniescheibenstabilisierung können kurzstationär (1-3 Tage stationär) durchgeführt werden. Die krankengymnastische Übungsbehandlung beginnt unmittelbar nach der Operation und sollte ab der 7. Woche postoperativ im Rahmen einer oftmals ambulant durchzuführenden Reha intensiviert werden.

 
 
 

Schienbeinkopfbrüche

 

Bei verschobenen Brüchen des Schienbeinkopfes sollte zur Sicherung einer guten Funktion des Kniegelenkes eine operative Stabilisierung und Einrichtung des Bruches erfolgen. Die Reposition des verschobenen Bruches kann oftmals arthroskopisch kontrolliert werden. Hier werden winkelstabile Titanimplantate verwendet, die eine frühzeitige Mobilisierung des operierten Gelenkes ermöglichen. Die meisten Operationen können kurzstationär (3 Tage stationär) durchgeführt werden. In Abhängigkeit der Bruchlokalisation muss eine Teilbelastung des verletzten Kniegelenkes für mindestens 6 Wochen erfolgen. Oftmals ist in der Frühphase der Nachbehandlung auch eine Reglementierung der Gelenkbeweglichkeit mithilfe einer speziellen Orthese notwendig. Die krankengymnastische Übungsbehandlung beginnt unmittelbar nach der Operation und sollte ab der 7. Woche postoperativ im Rahmen einer oftmals ambulant durchzuführenden Reha intensiviert werden.

Endoprothetik

Bei fortgeschrittenem Aufbrauch des Gelenkknorpels (Verschleiß) des Kniegelenkes ist die Gelenkbeweglichkeit und Belastbarkeit schmerzhaft reduziert. Bei fehlender Linderung durch nicht operative Therapie (z.B. Belastungsmodifikation, Krankengymnastik, Akupunktur, Taping oder Bandagen, Infiltration, Nahrungsergänzung) kann in Abhängigkeit des Ausmaßes der Erkrankung eine Gelenkersatz- operation notwendig werden. Bei lokalisierten aber fortgeschrittenen Verschleißprozessen kann auch isoliert der Ersatz eines Gelenkanteils (Schlittenprothese, Miniprothese) zum Einsatz kommen. 

Bei Patienten, bei denen die Beschwerden und die Verschleißprozesse in allen Gelenkanteilen des Kniegelenkes vorhanden sind, kann nur über einen vollständigen Oberflächenersatz (Knievollprothese) eine zuverlässige Linderung der Schmerzen und der Bewegungseinschränkung erzielt werden. Es werden ausschließlich Endoprothesenmodelle verwendet, die über mehrere Jahrzehnte in der klinischen Anwendung etabliert sind. Die Operationen werden stationär in Teil- oder Vollnarkose durchgeführt. Die stationäre Aufenthaltsdauer in der Helios Klinik Kiel beträgt in der Regel 1 Woche. Postoperativ wird eine stationäre Rehabilitationsbehandlung von 2-3 Wochen empfohlen.